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Post-Polio-Syndrom (PPS)
Nach drei bis fünf Jahrzehnten (Häufigkeitsgipfel bei 35 J), mindestens jedoch nach 15 Jahren eines stabilen Zustandes der Kraft und der sonstigen körperlichen Fähigkeiten wird bei Patienten, die eine Poliomyelitis durchgemacht haben, oft eine langsame Abnahme von Kraft und Ausdauer beobachtet, die nicht durch andere Ursachen erklärt werden kann. Das so genannte Post-Polio-Syndrom tritt auf. Dabei sind insbesondere in der Akutphase der Polio-Erkrankung schwer beeinträchtigte und dann gut erholte Muskelgruppen betroffen. Es können aber auch Muskelgruppen betroffen sein, die von der akuten Poliomyelitis scheinbar nicht berührt waren. Eine Atrophie (Schwund) der betroffenen Muskulatur kann auftreten oder zunehmen. Das Ausmaß des Fortschreitens der Schwächen wird von Dalakas, einem amerikanischen Forscher, der sich intensiv mit der Erkrankung beschäftigt hat, auf 1 Prozent/ Jahr geschätzt. Zuverlässige Daten liegen hierfür aber nicht vor. Rascher fortschreitende Schwächen müssen an andere Erkrankungen denken lassen. Die Patienten bemerken meist, dass die Ausdauer für bestimmte Tätigkeiten nachlässt oder sie Schwierigkeiten haben, die zuvor durchgeführten Tätigkeiten des täglichen Lebens weiterhin zu bewältigen. So kann bei Personen mit Störungen im Bereich der Rumpf- und Beinmuskulatur das Gehen schwerer werden, oder sie stürzen öfter. Alle benötigen eine längere Erholungsphase nach körperlichen Tätigkeiten. Zum Teil treten auch häufiger Krämpfe von Muskeln oder Muskelgruppen auf. Im Bereich der Muskulatur werden so genannte Faszikulationen (Muskelzuckungen) beobachtet, die aber keine Bewegung der Extremität mit sich bringen, sie sind begrenzt auf einige Fasern eines Muskels. Das PPS bevorzugt das männliche Geschlecht (m:w=1,5:1) um das 5. Lebensjahrzehnt. Bei etwa 70 % der Patienten, die in der Kindheit eine Poliomyelitis erlitten hatten, treten also nach der jahrzehntelangen stabilen Phase wiederum Symptome, wie neue Lähmungen, abnorme Erschöpfung und Schmerzen, auf. Heute gilt als gesichert, dass das PPS eine eigenständige Zweiterkrankung ist. Ältere Schätzungen gehen von etwa 120.000 Betroffenen in Deutschland aus. Neuere epidemiologische Berechnungen ergeben jedoch bis zu 1,2 Mio. PPS-Patienten in Deutschland.
Sehr wahrscheinlich ist davon auszugehen, dass die aparalytischen (nicht mit Lähmungen einhergehenden) Fälle nicht erfasst wurden. Da die paralytischen und die aparalytischen Verlaufsformen nur etwa 1 Prozent der Infektionen ausmachen, ist mit einer Gesamtzahl von 2 694 000 bis 5 388 000 Poliomyelitis-Infizierten zu rechnen. Danach belaufen sich die abortiven Fälle mit 98 Prozent auf 2 640 000 bis 5 335 000 Betroffene. Das Auftreten von PPS liegt für die paralytischen Fälle bei einem Risiko von etwa 70 Prozent, bei den aparalytischen Fälle bei einem Risiko von etwa 40 Prozent.
Die abortiven (ohne Symptome des ZNS verlaufenden) Fälle können mit einem Risiko von ca. 20 % ebenfalls zum PPS führen. Demzufolge ist in Deutschland gegenwärtig noch mit einer PPS-Häufigkeit von insgesamt 558.000 bis 1.105.000 Fällen zu rechnen. Es muss also von einer wesentlich höheren Zahl an PPS-Erkrankungen ausgegangen werden als bisher angenommen wurde.
Es gibt in der Literatur die Angabe einer PPS-Erwartbarkeit bei 28 Prozent der Gesamtinfizierten. Sie führt zu einer ähnlichen Größenordnung der Anzahl von Betroffenen.(Auszug Wikipedia)
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